S p e n d e n b i t t e

Seminare, Visagebühren, Flug, Auslandskrankenversicherung und und und. Das alles sind Kosten, die mein Auslandsjahr mit sich bringt. Ein Teil wird von der Entsendeorganisation bezahlt, ein anderer durch die staatliche Förderung von weltwärts, sowie von dem Freiwilligen, also mir, selbst und letztendlich übernimmt auch der Solidaritätskreis einen Teil.

Der Solidaritätskreis setzt sich aus Menschen, Institutionen und Firmen zusammen, die mich sowohl mental als auch finanziell unterstützen. Mental geschieht dies durch Mails, Briefe und Rundschreiben, die mir helfen, den Anker nach 'Zu Hause' nicht zu verlieren und finanziell durch Spenden, die in jeder Betragshöhe und zu jeder Zeit gegeben werden können (natürlich sind sie von der Steuer absetzbar!! ;)).

Beide Seiten sind sehr wichtig für mich und deshalb frage ich euch: Wollt ihr mein Solidaritätskreis sein? 

Informationen zu den Bankdaten und eine ausführlichere Erklärung findet ihr in meinem Soli Flyer, hier im Blog.
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Donnerstag, 22. September 2011

Flotahopsen nach Santa Cruz



ich beschwere mich nie wieder über die Deutsche Bahn! Nicht, nachdem ich einen Höllenritt über 12 Stunden hinter mir habe. Verspätung,unfreundliches Personal, alles gar kein Problem im Gegensatz zu dem, was wir hinter uns haben.
Dabei fing die Fahrt so lustig an!! Vor Carina und mir saß eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn, der vielleicht 1,5 Jahre war. Zu dem Zeitpunkt war das Gehopse noch erträglich und der Gestank noch nicht so krass. Und Carina und ich haben uns die Zeit damit vertrieben, dem kleinen Juan (so haben wir ihn getauft, eigentlich heißt er Carlos) Grimassen beizubringen. Er fand das sehr witzig (wir übrigens auch!!!
J ) und hat immer wieder über den Sitzrand gelugt. Seine Mutter war eher weniger begeistert….irgendwie wollte sie, dass er schläft. Eine Sache, mit der Juan, Carina und ich nicht einverstanden waren. Zur allgemeinen Beruhigung haben wir ihm dann beigebracht, einen Kussmund zu machen. Obwohl die Schlabberzunge und die Schweinenase unsere absoluten Favoriten sind!  Zugegeben, die Naser trifft er nicht immer, aber ich denke jeder versteht, was er ausdrücken will. J Zum Dank hat Juan dann sein Brot mit uns geteilt. Beziehungsweise mit seinen großen braunen Kulleraugen so lange gebettelt, bis wir es angenommen haben (Carinas Kommentar: Ich will auch ein bolivianisches Baby!!). Juan und wir lagen einfach total auf einer (Mentalen-)Länge! :D Er hatte genauso Probleme mit Spanisch wie wir und von daher konnten wir uns prima unterhalten. Er wohnt in Santa Cruz, und sein Papi wartet dort auf ihn. J
Aber dann wurde es irgendwann richtig schlimm! Die Straße bestand nur aus Löchern und Steinen, sodass man mit dem Allerwertesten die halbe Zeit 5 Zentimeter über der Sitzfläche schwebte. Wie die Wackeldackel schlackerten wir mit allem, was wir hatten und wäre ich nicht so unglaublich schlecht gelaunt gewesen (auf Dauer war das Gehopse einfach nicht mehr schön), hätte ich mich vor Lachen kaum halten können. Trinkversuche scheiterten jämmerlich und man endete entweder mit einer nassen Hose oder einer angeschlagenen Lippe. An Schlaf war überhaupt nicht zu denken. Anna hat es mit Schlaftabletten versucht, aber abgesehen davon, dass sie dem ganzen Chaos wesentlich gelassener entgegensehen konnte, änderte das überhaupt nichts.
Irgendwann war auch der Gestank unerträglich. In Gedanken sah ich mich schon alle mich umgebenden Menschen mit Duftbäumchen und Brise-one-Touch an Beinen und Armen ausstatten, als Carina auf die glorreiche Idee kam, ihr Deo im Bus zu versprühen. Aber leider half das auch nur kurzfristig. Wir hatten einen Punkt erreicht, an dem wir einfach nur noch wollten, dass die schreckliche Fahrt ein Ende nimmt.
Und so war es dann auch zum Glück nach gefühlten tausend Stunden Schüttelshake. Dafür mussten wir dann 2 Stunden am Terminal warten, ehe wir abgeholt wurden. Als die Schwestern dann kamen, haben wir uns zu 5 samt Gepäck in ein Taxi (kein Radiotaxi, die Schwestern lieben die Gefahr) gequetscht und zu unserer Unterkunft gefahren. Wir leben im Moment in einer Art Schwesternhostel. Eine Familie wohnt nebenan und wenn niemand hier ist, wacht der Mann über die drei Räume.
Carina haben wir gestern allein zum Flughafen gebracht. Es war echt total traurig zu sehen, wie unsere Gruppe immer kleiner wird. Jule und Andi waren zu dem Zeitpunkt noch in Sucre und so bleiben jetzt nur noch Anna und ich. Als wir uns auf den Rückweg vom Terminal gemacht haben, war es schon stockfinster und eine kleine zittrige Stimme in Kopf erinnerte mich die ganze Zeit daran, wie oft uns eingeschärft wurde, in unbekannten Städten bloß nicht im Dunkel rauszugehen. Vor allem weil Anna und ich, knauserig wie wir sind, mit dem Micro gefahren sind. Micros sind die mini-Busse, die es in ganz Bolivien gibt. Sie fahren eigentlich zu jeder Uhrzeit, an jedem Tag (außer wenn internationaler Tag der Busfahrer ist natürlich). In Sucre sind wir auch schon mit Schwester Feli damit gefahren, von daher war uns das Prinzip vertraut: Man stellt sich an den Straßenrand oder eben wenn nötig auf die Straße selbst und winkt den Micro seiner Wahl heran. Es scheint dabei keiner genau zu wissen, wann welcher Micro wann genau fährt. Man stellt sich einfach hin und wartet. Und winkt. Aber weil die Teile ständig fahren, ist das auch überhaupt kein Problem. Und so haben Anna und ich unser erstes kleines Abenteuer erlebt.
Sch
wester Hilde (das ‚h‘ spricht man nicht aus, also Schwester Ilde) hat uns mit zum Markt genommen und uns ein bisschen durch die Straßen geschleppt. Mein Eindruck von Santa Cruz-… nun ja, eine typische Großstadt eben. Mehr sag ich dazu nicht. :D
heute, genauer gesagt in ein paar Stunden, geht es für Anna und mich mit den Schwestern nach Trinidad. Sie sind aus Santa Anna (Annas Stelle) angeresit, weil hier irgendeine Schwesternversammiung war.
Yammy, gerade gab es hier Abendbrot und dazu Mandarinen, die so groß waren, wie Orangen!!! Muy rico!
J
Haha, Schwester Ilde prophezeit Anna dauernd ihren baldigen Tod, wenn sie nicht endlich ihr Vegetarierdasein aufgibt. :D Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt (also dass Anna stirbt ;))

Dienstag, 6. September 2011

Vom kalten La Paz ins warme Sucre


Kinder Kinders, ihr habt ja keine Ahnung, wie Busfahren wirklich geht! Am besten als Schwarzfahrer auf einer 12-Stunden-Tour von La Paz nach Sucre auf dem Gang, sodass alle Bolivienfreiwilligen der Pallottinerinnen um die Sicherheit ihres Gepäckes bangen müssen. Ganz cool seid ihr, wenn ihr trotz polizeilicher Ausweiskontrolle und Gepäckdurchsuchung, die alle Beteiligten und vor allem die Bolivienfreiwilligen der Pallottinerinnen an ihre Grenzen treiben, noch weiter mitfahren dürft.
Kurz um, eine wunderbare Reise im semi cama Bus, ohne Toilette.
J
Schließlich sind wir in Sucre angekommen und hier ist es wunderschön!!
Wie La Paz ist es eine alte Konolialstadt, jedoch wird hier wesentliche mehr in die Erhaltung der Gebäude investiert. Im Gegensatz zu La Paz ist es hier auch wesentlich grüner. Klar, Sucre gehört zum Departamento Chuquisaca, und das liegt schon eher in den fruchtbaren Ebenen des Tieflandes, wohingegen La Paz in der Altiplanoebene zu den Anden gehört. Deshalb brauche ich hier auch keine Milliarde Decken zum Schlafen. ;) Apropos, meinen ersten Sonnenbrand habe ich mir hier auch schon eingefangen, dabei saß ich nur kurz draußen.
Im Moment sind wir bei den Schwestern im Mutterhaus hier untergekommen und sie sind alle total knuffig!! Zwei sprechen sogar Deutsch, obwohl ich sie selbst dann nicht verstehen kann, weil sie die Wörter so komisch aussprechen – vermutlich eben so komisch, wie ich die spanischen. Ich bin mir total sicher, dass die Sätze, die ich sage, ganz bestimmt verständlich sind. Und trotzdem werde ich angeguckt wie ein Auto. Irgendwie liegt da ein Fehler im System vor… 
Und kochen können die hier wie keine zweiten!! Das bolivianische Essen ist wirklich erste Sahne, ich kann gar nicht genug davon bekommen.
J
Bolivien wirkt sich übrigens äußerst positiv auf mein Pingel Dasein aus. Mittlerweile schreie ich nicht mehr, wenn ich eine Spinne sehe (was auf die Anzahl der Spinnen hier gerechnet auch schlicht unmöglich ist) und kann mich schätzungsweise 10 Minuten im selben Raum mit ihnen aufhalten ohne in Panikattacken auszubrechen (Highscore waren 5 Riesenekelspinnen).
Ab und zu funktionier hier das Internet nicht und die Toiletten sind ein ganz spezieller Fall. Schmeißt man nämlich das Toilettenpapier hinein, so hat man ein sehr sehr…. verstopftes Problem. Duschen ist auch nicht ganz einfach. Entweder ist als absolute Krönung auch diese auch noch verstopft oder aber das man steht vor der schwerwiegenden Entscheidung ob man sichlieber mit viel, dafür aber sehr kaltem Wasser oder mit lediglich ein paar Tropfen sehr heißem Wasser waschen möchten. Während Andi, Jule und ich noch den Luxus eines Duschvorhanges und eines abgetrennten Duschbereiches genießen können, müssen Anna und Carina sich mit einem simplen Duschkopf inmitten ihres Badezimmers begnügen. Das heißt man kann sich gleichzeitig duschen, am Waschbecken stoßen und das Klo nassspritzen.
So, das war es erst mal von mir. Fotos können leider nicht hochgeladen werden, das Internet bricht schon zusammen, wenn man nur den Gedanken an einen solchen Versuch hegt. L

Mittwoch, 31. August 2011

La Vella de la Luna und der Markt in La Paz


Unser erster Tag, der ausschließlich unserem Vergnügen diente. Am Morgen hatten wir eigentlich vor, schön auszuschlafen. Doch daraus wurde leider nichts. Ich will nicht behaupten, dass ich der geborenen Frühaufsteher bin, aber ab 6 Uhr konnte ich wieder hellwach und Jule und Carina ging es glücklicherweiseähnlich. Wir mutieren zu richtigen Laptopnerds, dauernd hängen wir davor, um Mails zu schreiben, Blogeinträge zu kreieren oder Fotos hochzuladen. Punkt für euch! ;) So also auch gestern um 6 Uhr morgens. Eine Internetverbindung gibt es nach wie vor nicht in unserem Zimmer, so dass wir auf Annas und Andis Goodwill angewiesen sind, uns ein kleines bisschen zu rutschen und die eine oder andere Steckdose zu räumen.
Gegen 13 Uhr sind wir dann aufgebrochen, alle gut mit Fotoapparat und massig Akkus ausgerüstet. Das Vella de la Luna wurde uns von den Bolivienfreiwilligen, die wir in der Botschaft getroffen haben, wärmstens empfohlen. Also nichts wie hin!
Der Name bedeutet so viel wie Mondtal und wirklich, die Felsen und Steine machen einen tatsächlich glauben, man spaziere über den Mond. Dabei sind sie lediglich durch Erosionen entstanden.
Als wir ankamen, prallte die Sonne mit aller Kraft vom Himmel. Unten in La Paz war es zwar warm und sonnig, doch mit hier oben definitiv nicht zu vergleichen. Super, alle ohne Käppi oder Sonnencreme. :D So gleich gerieten wir in die Fänge eines Quena –Spielers, der uns eines der traditionellen Instrumente andrehen wollte. Besonders an Carina hat er einen Narren gefressen und sie in die hohe Kunst des Quena-Spielens eigeweiht hat. Zum Schluss kamen sogar ein paar Töne heraus. :D
Es gibt zwei Wege durch das Tal, einen kurzen (15 Minuten) und einen langen (45 Minuten). Wir haben uns für den längeren entschieden, was Jule und ich noch schwer bereut haben. Nein, der Weg durchs Tal ist kein gemütlicher Spazierpfad. Der ist richtig anstrengend!! Es geht hoch und runter, über Brücken, die nicht besonders stabil aussehen und Treppen, bei denen man am Ende ganz verwundert ist, dass sie NICHT eingebrochen sind und man immer noch lebt (und die nächste Treppe erklimmen darf). Wir haben unendlich viele Bilder gemacht, die im Grunde alle total gleich aussehen: Steine eben. 
Unten habe ich ein paar Bilder hochgeladen, auch die von der Taxifahrt zum Vella de la Luna. Carina konnte gar nicht aufhören, durch die Scheiben auf die Straßen zu fotografieren und mir ging es nicht anders. Leider sind meine Bilder absolut nichts geworden, weil meine Kamera mit dem grellen Licht hier nicht klar kommt. Dafür konnte ich aber ein paar Fotos von Jules Spiegelreflex ergattern.
JJ
 Taxifahren ist hier übrigens immer ein kleines Wagnis, je nach dem, an welchen Taxifahrer man gerät. Auf der Hinfahrt ging es grundsätzlich bergab und „bremsen“ schien unserem Chauffeur ein Fremdwort. Dafür hallte es in meinem Kopf umso lauter.
L Genauso das Schalten auf der Rückfahrt. Dieser Fahrer legte einen ganz eigenen Stil an den Tag und trieb die Tachoanzeige der Motorumdrehung bis zur 5. Ich auf der Rückbank habe zwar mein Bestes versucht, ihn telepathisch daran zu erinnern, dass er gerne einen anderen Gang benutzen darf, bin aber kläglich gescheitert und weiterhin tausend Tode gestorben, in der Angst, der Motor würde uns gleich um die Ohren fliegen.

Es folgte eine kurze Duschpause – na, was heißt kurz. Wir hatten zum ersten Mal seit unserer Ankunft warmes Wasser und das musste natürlich ausgekostet werden! :D
Schließlich machten wir uns auf zum Markt. Die Straßen waren voll mit kleinen Stünden, vor denen meist eine hutzelige Frau saß. Und es wurde wirklich alles verkauft! Als hätte man die Regale im Supermarkt auf die Straße davor verlegt, gab es einerseits natürlich Obst und Teigtaschen wie üblich, aber auch Schuhe, Sportbekleidung, Handys, Zahnbürsten, Schreibutensielen und Schmuck zu kaufen. Vor allem kann man aber richtig gut handeln! Klar, zuerst wollen sie die Bleichgesichter über den Tisch ziehen, aber nicht mit uns, haha! Ich hab jetzt einen super weichen Poncho und das gerade mal für 90 Bolis, also 9€. Ich bin schon ein bisschen stolz.
J
Eine Besonderheit ist der Hexenmarkt hier in La Paz. Neben Gewürzen kann man z.B.  auch tote Lamafoeten erstehen… Inspirierend.
L Die Leute benutzen sie meistens als Opfergaben, wenn sie neue Gebäude einweihen oder ähnliches. Und gestunken hat es!!! Richtig schlimm! Aber das ist nichts Ungewöhnliches in Bolivien.
Trotz allem haben wir uns den Appetit nicht verderben lassen und eine Pizza in Größe eines Wagenrades verdrückt. Zurück ging es dann durch das nächtliche La Paz, und ich war wieder einmal froh, nicht allein unterwegs zu sein! 

Dienstag, 30. August 2011

Visum das Zweite


Ich bin fuerchterlich stolz auf uns! Innerhalb eines Tages haben wir unser Jahresvisum beantragt, Handykarten besorgt und das aller Nötigste eingekauft.
hier ein kurzer Tagesabriss:
6.00 Uhr inoffizielles Aufstehen meinerseits. Draussen ist es schon hell und wer haette das gedacht, es wird auch schon ordentlich gehupt. Also die beste Zeit, um die ersten Mails zu schreiben.
7.00 Uhr aufstehen. Verwunderlich, wie schnell drei Maedels im Bad sein koennen, wenn es nur kalt   genug ist. Selbst Gesichtwaschen wird zur Tortur. Dann die große Frage: was ziehe ich nur an? Carina mummt sich in Leggins und Jeans, waehrend Juliane und ich es bei einer einfachen Hose, T-Shirts und Jacke belassen. Der Zwiebellook ist bei uns gerade voll in Mode; jetzt friert man sich zwar noch den Allerwertesten ab, doch spaetestens in wenigen Stunden gibt die Sonne ordentlich Stoff von oben und das stetige Bergaufsteigen bringt den Kreislauf in Schwung.
8.00 Uhr fruehstuecken. Gar nicht mal uebel!!
J es gibt Kaffee, unglaublich leckeren Kakao und Tee zu trinken und „Broetchen“. Das Besondere an ihnen ist, dass sie so flach wie moeglich gebacken sind, was ich persoenlich als weiches-Zeug-aus-der-Mitte-Holer sehr schade finde. Dazu dann Butter und Marmelade J.
9.00 Uhr So gestärkt lassen wir uns von der Rezeption ein Radiotaxi holen und vereinbaren den Preis fuer den Weg zur Botschaft cleverer Weise schon im Vorhinein. Was mal wieder auffaellt, ist die starke Praesenz der Polizei in den Strassen, vor Geschaeften, zur Deko…^^ Ich frage mich, ob das tatsaechlich notwendig ist, oder ob es vielleicht einfach zu viele Polizisten gibt und die Bolivianer einfach nicht wissen, was sie mit ihnen anfangen sollen. Die Polizisten schlendern gemuetlich durch die Gegend und beaeugen uns Bleichgesichter neugierig und beinahe haemisch, als wir uns die Strasse bergauf quaelen.
In der deutschen Botschaft wird zum Glueck Deutsch gesprochen. Wie Carina und ich gestern schon gemerkt haben, ist unser Fetzen Spanisch bei Weitem nicht ausreichend und verstehen tun wir sowieso absolut und ueberhaupt nichts. Ein Hoch auf Andi!!- ohne ihn waeren zumindest wir zwei total verloren. :D obwohl der Gute mit zum Teil echt leid tut, wenn er dauernd von uns gerufen wird oder uns begleiten muss. Er sagt uns zwar immer vor, was wir dann sagen sollen, doch ehe wir uns umdrehen, haben wir die haelfte eh wieder vergessen und blicken uns hilfesuchend nach ihm um. Zumal wir auch total ueberfordert sind, wenn die Bolivianer uns dann unerwarteter Weise doch verstehen und uns in einem Schwall uns unverstaendlicher Worte antworten. An dieser Stelle ein riesen Dankeschoen an Andis Ehrgeiz und Disziplin, in der Schule gut Spanisch zu lernen.
J und natuerlich auch Anna, es ist unglaubich, wie viele Vokabeln sich in ihren Hirwindungen finden lassen!

In der Botschaft gibt es auch wieder eine Polizisten (natuerlich), dessen einzige Aufgabe darin zu bestehen scheint, die Handys der Besucher in einen Schrank einzuschliessen.
Eigentlich war alles schon klar, es fehlten lediglich Passfotos mit rotem Hintergrund und ein Schreiben vom BMZ. Die Fotos mussten wir selbst besorgen, um das Schreiben kuemmern sich unsere Teamer.
J Nur leider bedeutete dies auch wieder eine erhebliche Bergwanderung gen Fotoshop. Am Plaza del Estudiante angekommen, haben wir gleich einige Dinge eingekauft. Carina, immer noch gepaecklos, hat sich mit dem Noetigsten eingedeckt und ich habe meine erste Flasche bolivianischen Hustensaft erworben – das Zeug schmeckt scheusslich und ich muss es alle 8 Stunden nehmen. Ab und an schwillt meine Zunge ein bisschen an…. Ist bestimmt nicht weiter wichtig... (???)

Zurueck in der Botschaft haben wir andere MaZ’ler getroffen. Sie sind bereits seit zwei Wochen in Bolivien, alle in Cochabamba untergebracht und haben schon das ein oder andere erlebt. Kater + Hoehenluft= gar nicht gut, war einer der Insidertipps. Aber trinken will ich glaube ich eh nicht so schnell hier. Ich komme ja so schon kaum allein zurecht und mit Alkohol wird mein Spanisch sicher nicht besser! :D  Was wir uns aber unbedingt anschauen sollen, ist die Mondlandschaft. Hoffentlich schaffen wir das und Carina kann es noch irgendwie in unseren Tagesplan einbringen. Sie ist diejenige, die schon immer im Vorhinein weiss, was morgen alles zu tun sein wird. ;)
 2-3 Uhr Einer unserer Gaenge heute führte uns noch einmal quer durch die Stadt, um unsere Handykarten zu holen. Juliane und Carina brauchen den VIVA- Anbieter, Andi und ich ENTEL. Nur leider wissen die Bolivianer auch nicht so ganz, wo das Center der jeweiligen Anbieter zu finden ist, bzw. verstanden sie nicht, was wir von ihnen wollten. Zweimal standen wir vor kleinen Strassenstaenden, an denen man Guthabenkarten kaufen kann und zuletzt haben wir uns auf irgendeinem Hinterhof mit einem geschlossenen Strassenstand wiedergefunden. Im Endeffekt haben wir (respektive Andi -.- ) erkannt, dass wir die ganze Zeit im Kreis gelaufen sind und das Center keine 10 Minuten vom Plaza del Estudiante entfernt liegt. Ein kleines Plus fuer mein, von der mir im Moment noch total unverstaendlichen Sprache, angegriffenes Selbstbewusstsein ist, dass ich den Weg vom ENTEL-Center zum Plaza del Estudiante ganz mutterseelenallein gefunden habe (zugegeben, es waren nur zwei Strassen, aber klein Vieh macht auch Mist
J), ohne einem der tausend fussgaengerignoriende Taxifahrern unter die Raeder zu kommen oder in den blau-schwarzenMiefwolken, die jedes Fahrzeug hier in schieren Unmengen ausstoesst, zu ersticken. Ledigliches Stolpern hat mein Weiterkommen erschwert, weil ich erstens sehr mit Gucken und Staunen beschaeftigt war und zweitens die Stufen sehr unebenmaessig sind.
3-4 Uhr Wir haben wir ausserdem unseren ersten bolivianischen Supermarkt ausfindig gemacht. Schuhgeschaefte, Optiker, Apotheken, all das gibt es hier zu Hauf, aber versucht mal einen Supermarkt zu finden! Nach langem durch die Gegend irren (halt, stopp, nein. Andi hatte ja einen Plan) waren wir trotzdem erfolgreich und haben das Geschaeft mit großer Ausbeute wieder verlassen. Grundnahrungsmittel aller MaZ’ler scheinen ohnehin Pepsi, Cola und Broetchen zu sein. Draussen auf den Strassen duften zwar die kleinen Essensstaende ganz verfuehrerisch, doch eben diese sind es, vor denen wir mehr als nur einmal gewarnt wurden. Ehe unser Koerper sich nicht einigermassen an die hiesigen Standards gewoehnt haben, sollen wir huebsch die Finger davon lassen und auch spaeter mit Bedacht auswaehlen, wo wir essen. Allerdings ist uns eh relativ schnell der Appetit vergangen, als wir gesehen haben, wie an solchen Staenden abgespuelt wird. Eimer mit Wasser, Teller rein, Teller raus, fertig. Und unsereins macht sich Gedanken ueber Wasserflecken! :D:D
Wie schon gesagt, alles eine Sache der Gewoehnung.
J

Es ist schon spaet am Nachmittag und wir sind zurueck im Hotel. Eigentlich wollten wir noch mal los – Carina friert staendig und braucht wirklich einen Pulli, Poncho, sonst irgendwas und im Grunde ist auch schon Abendbrotzeit. Doch die Möglichkeit, von unseren Zimmern kostenlos ins Internet zu kommen, haelt uns so lange von unserem Vorhaben ab, bis wir alle keinen Hunger mehr haben. Vielleicht wird es morgen was mit Mittag und Dinner, heute musste das leider Wichtigerem weichen.